Sinkender Frankenkurs sorgt für Erholung im Schweizer Einzelhandel

Die Schweizer Wirtschaft blüht und könnte im neuen Jahr die Schwierigkeiten der vergangenen Saisons überwinden. Durch die Aufhebung der Eurobindung Ende 2015 geriet der Einzelhandel des Landes in eine Krise, von der er sich nun schrittweise erholt.




Schweizer Grenzgänger, die zum Einkaufen nach Deutschland, Frankreich oder Italien reisten, dürften ihr Geld im kommenden Jahr wieder vermehrt in der Schweiz ausgeben. Die Umsätze im Einzelhandel werden laut Schätzungen der Credit Suisse ca. um 0,3 Prozent ansteigen. 2017 habe sich der Einzelhandelsumsatz zum ersten Mal seit drei Jahren verbessert, um insgesamt 0,1 Prozent, so die Credit Suisse weiter.

Obwohl der Einzelhandel in der Schweiz mit rund 90 Milliarden Franken (EUR 77 Mrd.) eine relativ bescheidene Größe hat, so ist das Land insbesondere für Luxusmarken ein wichtiger Abnehmer.

Die Hochrechnungen der Credit Suisse folgen auf die Veröffentlichung der Zahlen zum Novemberumsatz der Branche, der 0,2 Prozent höher lag als im Vorjahr. Inflationsbereinigt ergab sich jedoch ein Rückgang um 0,2 Prozent.

"Die Detailhandelsbranche als Ganzes erholt sich, wenn auch nicht im selben Rhythmus wie die gesamte Schweizer Wirtschaft", erklärte Sascha Jucker von Credit Suisse. "Grundsätzlich kann von einer Stabilisierung gesprochen werden, dem Beginn einer Erholung, auch wenn nicht alle Detailhändler damit einverstanden sein werden. Es gibt weiterhin Problembereiche wie Kleidung und Körperpflege. Diese profitieren nicht im selben Umfang wie beispielsweise Lebensmittelhändler".

Die Beratungsfirma Fuhrer & Holz führte eine Umfrage unter Ladenbetreibern durch, die leicht optimistischer ausfiel: 60 Prozent der Befragten rechnen für 2018 mit einem Umsatzwachstum.

Einer der Branchenleader im Schweizer Lebensmittelhandel, der Detailhändler Coop, veröffentlichte vor einer Woche seine Umsatzzahlen für 2017, wobei der Nettoumsatz von 17,2 Milliarden Franken (EUR 14,7 Mrd.) vor einem Jahr auf 17,4 Milliarden Franken (EUR 14,8 Mrd.) anstieg.

Als die Schweizerische Nationalbank 2015 die langjährige Euro-Bindung aufhob, verteuerte sich der Franken auf einen Schlag und ließ die Schweizer Wirtschaft mit Produkten, die bis zu 50 Prozent teurer waren als im angrenzenden Ausland, im Regen stehen.

Doch mit der fast neunprozentigen Wertminderung des Frankens im Vergleich zum Euro im vergangenen Jahr, sowie der höheren Inflation im europäischen Ausland, ging das Preisniveau in der Schweiz vergleichsmäßig zurück.

Der Einkaufstourismus aus der Schweiz hat sich nach den Schätzungen der Credit Suisse nach einem Wert von 11 Milliarden Franken (EUR 9,4 Mrd.) im Jahr 2016 im Folgejahr ausgeglichen oder war gar leicht rückläufig.

Doch hinkt der Einzelhandel den anderen Wirtschaftsbereichen des Landes weiterhin hinterher. Die Credit Suisse geht davon aus, dass die Gesamtwirtschaft um 1,7 Prozent wachsen dürfte, getragen durch den Onlinehandel. Immer mehr Schweizer Kunden nutzen Angebote wie Zalando und Amazon.

Rund 7 Prozent des Schweizer Einzelhandelsgeschäfts werden online abgewickelt, so die Credit Suisse. Bis 2022 könnte dieser Wert auf 11 Prozent ansteigen. "Die größte Herausforderung", so ist Jucker überzeugt, "geht von Onlinehändlern aus, die ihr Angebot in der Schweiz ausbauen werden".
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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