LVMHs diskrete Übernahme von Jean Patou

LVMH erweitert sein Parfüm-Portfolio um Jean Patou. Die Übernahme steht kurz bevor. Bereits im vergangenen Jahr hat der französische Luxus-Konzern die Kontrolle über das Management erhalten.

Gründer Jean Patou - Image: Jean Patou

Das französische Luxus-Unternehmen hat die Geschäftsführung von Patou bereits im vergangen Jahr ganz diskret und ohne öffentliche Ankündigung von Designer Parfums, einer britischen Gruppe mit Sitz in Watford nördlich von London, die sich im Besitz der Mehta-Geschäftsfamilie befindet, übernommen.

Bereits am 6. September 2017 ernannte der Aufsichtsrat mit Sidney Toledano den neuen Vorsitzenden von Jean Patou. Er ersetzt Nikita Mehta, die 28-jährige Tochter von Dilesh Mehta, dem CEO und Gründer von Designer Parfums.
 
Als Vorstandsmitglied von LVMH war Toledano bereits CEO von Christian Dior. Im Januar wurde er Präsident der LVMH Fashion Group, die eine Reihe wichtiger Modehäuser kontrolliert, darunter Céline, Fendi, Givenchy, Pucci, Kenzo und Loewe.
 
Der Hauptsitz von Jean Patou befindet sich nun in der Rue Jean Goujon Nr. 24, in der auch das Hauptquartier der LVMH Fashion Group angesiedelt ist. Nikita Mehta ist jetzt auf ihrer LinkedIn-Seite als Project Assistant Manager für LVMH aufgeführt.
 
Unternehmenssprecher von LVMH Fashion Group wollten die Übernahme nicht kommentieren. Toledano reagierte nicht auf Anfragen.
 
Dilesh Mehta bestätigte gegenüber FashionNetwork.com, dass Designer Parfums kurz davor stünde, eine strategische Partnerschaft mit LVMH einzugehen.
 
"Ich habe eine Geheimhaltungserklärung unterschrieben und darf dazu keine weiteren Auskünfte geben. Dies sollte im September abgeschlossen sein. Wir glauben, dass es für das zukünftige Wachstum von Patou entscheidend ist, dass wir im Modebereich weiter expandieren, und niemand kann das besser leisten als LVMH", sagte Mehta.

Image: Jean Patou

Die Marke Patou ist für Bernard Arnault, den Vorsitzenden und Mehrheitsaktionär von LVMH, eine wertvolle Errungenschaft. Sein Parfüm- und Beauty-Imperium umfasst bereits Christian Dior, Guerlain, Acqua di Parma und Make Up For Ever, die Parfümerie-Bereiche der Designerhäuser Givenchy, Marc Jacobs, Louis Vuitton und Kenzo sowie das umsatzstarke Duft- und Beauty-Unternehmen Sephora.

Patou ist eine traditionsreiche Mode- und Parfüm-Marke, die im Jahr 1912 von Jean Patou gegründet wurde. Während des Ersten Weltkriegs musste sein Modehaus schließen, da Patou eingezogen wurde, um an der Front zu dienen. Nach seiner Rückkehr nahm er die Geschäfte des Modehauses wieder auf.
 
Der Designer soll darüber hinaus die ersten Designer-Krawatten entworfen haben. Im Jahr 1925 erweiterte er sein Geschäft um drei Düfte. Auch im Bereich Beauty und Kosmetik gilt er als Innovator, der unter anderem die erste Sonnencreme namens "Huile de Chaldée" auf den Markt brachte. Sein bekanntestes Parfum heißt "Joy", ein Rosen- und Blumenduft, das zu seiner Zeit das teuerste Parfüm der Welt war. Patou starb im Jahr 1936.
 
Darüber hinaus ist Patou ein berühmtes französisches Label, das sich durch eine moderate Größe vor dem grauen Markt schützen konnte und seinen Ruf nie beschädigte. Im Jahr 2000 wurde "Joy" während der FIFI Awards, den Oscars der Parfüm-Industrie, zum "Duft des Jahrhunderts" gekürt und übertraf damit Konkurrenten wie Chanel Nr. 5. Patou verfügt durch Kollaborationen mit Design-Größen wie Karl Lagerfeld, Jean-Paul Gaultier und Christian Lacroix  außerdem über eine glaubwürdige Mode-DNA.

Designer Parfums, das Patou im Jahr 2011 von Procter & Gamble übernommen hat, kontrolliert weiterhin ein Portfolio von Parfüms, darunter Frédéric Fekkai, Naomi Campbell, Jennifer Lopez, Parfums Scherrer, Worth, Porsche Design, Ghost und Manish Arora.
 
Im Jahr 2013 enthüllte der frühere Patou Präsident Bruno Cottard Pläne zur Wiedereinführung eines Mode-Segments, was aber bisher nicht umgesetzt wurde. Man kann aber davon ausgehen, dass sich das nach Abschluss des LVMH-Deals zeitnah ändern wird.
 
Mit der Partnerschaft  durch LVMH schließt sich der Kreis. Patou zog sich im Jahr 1987 aus der Mode zurück, da der damalige Couturier Christian Lacroix die Marke verließ, um mit der Unterstützung von Bernard Arnault sein eigenes Modehaus zu gründen.

Übersetzt von Eva Bolhoefer

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