Die 12 besten Shows der Saison

Vom Auftakt der 30-tägigen Modesaison mit Tommy Hilfiger auf dem Bund in Shanghai bis zur Louis-Vuitton-Show im Pariser Louvre-Museum haben wir für Sie die 12 schönsten und einflussreichsten Schauen ausgewählt. Einige davon wurden für ihre prägende Wirkung oder ihren mutigen Ansatz, wieder andere für die übermittelte Energie und pure Schönheit in die Auswahl aufgenommen. Doch eines war allen gemeinsam: Sie zelebrierten die Vielfalt und die Fähigkeit der Mode, indirekt die tiefen Klüfte zu kommentieren, die in so vielen Ländern entstanden sind. Und ganz besonders in den vier Demokratien, in denen die wichtigsten Modewochen organisiert werden – den USA, Großbritannien, Frankreich und Italien.


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Alexander McQueen - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula

Alexander McQueen
In der bezauberndsten Kollektion der Saison ließ Sarah Burton für Alexander McQueen Rittertum und Schwesternschaft miteinander verschmelzen. Ritterliche Rüstungen aus geformtem Leder in Weiß, Rot oder Schwarz – bemalt oder bestickt mit karmesinroten Blumen, zerfetzte und dekonstruierte Brautkleider aus Seidentaft und rüschenbesetzte Chiffonkleider in Kombination mit eleganten Reitwesten. Mittelenglische Mode par excellence, das bedeutendste Atelier Londons ist zur Höchstform aufgelaufen!


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Marni - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Milan - © PixelFormula

Marni
Marni bot eine Venus von Milo für das Internetzeitalter, die Göttin erschien auf bizarren Seidenprints, zusammen mit Bildern klassischer Architektur, Abbildungen plastischer Meisterwerke und ethnischen Punktmustern. Der Kreativdesigner Francesco Rissi revolutionierte Plissee-Röcke aus dem 18. Jahrhundert durch die Beifügung von naturweißen Lederbustiers und ließ griechische Götterroben mit steinbesetzten Säumen in verblüffenden Winkeln abschneiden.

Dazu bot er das suggestivste Set in Italien mit Hunderten von Betten – Art Deco, Landhaus, Krankenhausabteilung und Schul-Schlafsaal. "Frankenstein erweckt die Venus von Milo zum Leben. Klassizismus und laufende Metamorphose", beschrieb Risso seine bisher schönste Kollektion für Marni.


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Prada - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Milan - © PixelFormula

Prada
Ein modisches Statement zu den sich gegenüberstehenden Kräften von reaktionärem Konservatismus zu liberalem Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit. Auch wenn auf den Laufstegen nur Kleider zu sehen waren, war Pradas Message klar und deutlich. Das Label überstürzte die klassischen Codes der Mode mit überraschenden Mustern, Stoffen, Bildern und Drucken. Batikstoffe, psychedelische Prints und Landschaftsbilder mit Abbildungen von nackten Männern und Frauen auf eher schicklichen Mänteln, Kleidern und Tennisröcken.
 
Die Wirkung der klassischen Nylonlooks wurde durch eine neue Farbgebung untergraben – Hellgelb, Zitronengrün und Kupferrot. Dazu passende Satinshorts, elastische Römersandalen, Mini-Korsage-Tops und transparente Kniesocken aus Nylon mit großen Prada-Dreieckslogos. Mode am Brennpunkt politischer Ideologien.
 

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Celine -Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula

Celine
Unsere britischen Freunde kamen mit Hedi Slimanes Debütkollektion für Celine ganz schön ins Schwitzen. Doch Branchenkenner erkannten darin eine kraftvolle Kollektion, ganz im Zeichen der reizvollen Allüre des Pariser Nachtlebens. Die gleißenden metallischen Cocktailkleider und Innenstadt-Cowboystiefel mit Schnallen verjüngten Celine-Kunden um zwei Jahrzehnte. Die Debütkollektion für die Menswear beinhaltete tadellos geschnittene, kurvige Hosen und hervorragende lange Zweireiher. Hedi Slimane führte den Zerfall des Ancien Regime bei Celine unter Napoleons Grab in Les Invalides vor, während ironischerweise eine Gruppe von Moderoyalisten – die sogenannten Philophiles – auf der Ile de la Cité unweit der Conciergerie ein nostalgisches Treffen abhielten. Wahrscheinlich war ihnen nicht bewusst, dass hier früher die Gefangenen auf ihr Tête-à-Tête mit der Guillotine warteten.
 
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Paco Rabanne - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula

Paco Rabanne
Julien Dossena zeigte für Paco Rabanne seine traumhafte Neuauflage des Siebzigerjahre-Hippie-Stils mit Rajasthan-Prints und maurischen Mustern, kombiniert mit Hightech-Finishes. Damit hat er endlich zu einer eigenen, modernen Handschrift für die berühmte Marke gefunden. Alles wurde gestutzt, paspeliert und mit Metallketten und Bändern zusammengehalten oder dekoriert und mit Seidentops und mit Goldtalern versehenen Sarongs gezeigt. Viel zu lange blieb Paco Rabanne in einer Metallgewebe-/Kettenpanzer-Zeitschleife stecken. Doch mit dieser Show entledigte sich die Marke dieser Einflüsse und ließ gerade ausreichend Metall aufblitzen, um der DNA von Paco Rabanne treu zu bleiben. Dossena ist zum neuen Liebling von Paris geworden.
 
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JW Anderson - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Londres - © PixelFormula

JW Anderson
"Eine Zelebrierung der Mode durch verschiedene Texturen", so brachte Jonathan Anderson seine jüngste Kollektion – das Highlight der Londoner Schauen – auf den Punkt. Vom Oberkörper her ausgestellte, wehende Kleider mit Zipfelsaum aus riesigen, rechteckigen Bahnen kontrastierender Stoffe – von Nadelstreifenleinen zu federleichtem Chiffon. Halbtransparente Herrenhemdkleider in Überlänge aus kontrastierenden Bahnen. Alle Models trugen lederne Piratenkopftücher, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer ganz auf die Kleider zu konzentrieren. Es war ohne Zweifel die einflussreichste Show in London.
 
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Louis Vuitton - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula

Louis Vuitton
Nicolas Ghesquiere organisierte für Louis Vuitton eine Sci-Fi-Kollektion in einer Art Raumstation im "schönsten Gebäude der Welt – dem Louvre" – so der Designer.

Eine Jeanne d’Arc-Rüstung aus Chiffon, amerikanische Football-Shirts, gegliederte Tanktops, weite Bloomer und abgestufte Cocktailkleider mit Computerbildern einer intergalaktischen Stadt, die von riesigen Robotern wiederaufgebaut wird. Computergrafiken mit künstlichen Landschaften, die auf die revolutionärsten Stoffe dieser Saison aufgedruckt wurden. Opulent, luxuriös und eindeutig am Puls der Zeit.
 

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Valentino - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula

Valentino
Das Zusammentreffen von marokkanischen und ländlichen Bohemienne-Einflüssen der Vorkriegs-Hippiegemeinschaft Maverick im US-Bundesstaat New York ergab eine Hochglanz-Kollektion betörender Schönheit. Blumige Brokatkleider, gotische Kleider mit Paisley-Print und Plisseekleider getragen zu weiten Bauernhemden, Bandanas, Berets und Feder-Accessoires in einer liebevoll angelegten Sammlung freigeistiger und dennoch eleganter Kleidung.
 

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Maison Margiela - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula

Maison Margiela
In einer Zeit – und Saison – in der die Übergänge zwischen den Geschlechtern fließend sind, bot John Galliano bei Maison Margiela das transgressivste Modestatement der Saison. Sehr bezeichnend taufte der Kreativdesigner seinen politischen Kommentar "Mutiny". Die Co-ed-Kollektion umfasste verlängerte Smokings und Reitjacken aus Tweed in Kombination mit unglaublich enganliegenden türkisfarbenen Leggings und ausgestanzten Cowboystiefeln, dazu Jacquard-Schleifen im überschwänglichen Blumenprint. Nur kurz nachdem Jair Bosonaro, dessen bigotte, schwulenfeindliche Videos auf Youtube proliferieren, die brasilianische Präsidentschaftswahl in der ersten Runde klar für sich gewann, war die Erinnerung an diese Margiela-Show am Vorabend und an ihren Aufruf zur Förderung der Vielfalt von größter Bedeutung.
 
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Proenza Schouler - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - New York - © PixelFormula

Proenza Schouler
Die mit viel Geschick entworfene revolutionäre Kollektion wurde ironischerweise in einer Hochburg des amerikanischen Kapitalismus gezeigt, wo doch das Label die Rückkehr von drei Saisons in Paris feierte. Vergessen sind die Stickereien, Federn, Stoffdetails und aufwendigen Lederarbeiten, die in Paris gezeigt worden waren. Es defilierten freimütige, kühne Kleider, die gänzlich aus japanischem Denim, Baumwollgabardine und Popelin in New York und Los Angeles gefertigt wurden. Acidwashed Jeansstoffe wurden zu breiten Kleidern mit unzähligen Rüschen verarbeitet, ein silbernes Gabardineshirt mit einem schwarzen Jeansrock getragen und ausgestellte Malerhosen mit Baumwolltops kombiniert. Stellenweise etwas ausgefallen aber wahrlich originell. Man könnte es als amerikanische Downtown-Couture bezeichnen.
 
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Miu Miu - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula

Miu Miu
Bei Miu Miu drehte sich alles um Subversivität. Miuccia Prada spielte mit den klassischen Bourgeoisie-Codes des guten Geschmacks und verhalf ihnen zu einem neuen, modernen und frischen Anstrich.

Viele kurze schwarze Kleider, Taftblusen und klassische Etuikleider wurden wie mit Gartenscheren zerschnitten, um ihnen einen unvollendeten, moderneren Look zu verleihen. Auch diese Show bestätigte die Rückkehr von Denim als It-Stoff, wie bereits in New York auszumachen war. Ein intelligentes Statement der größten Feministin der Mode.
 

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Balenciaga - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula

Balenciaga
Balenciaga bot eine umwerfende Inszenierung, ein außerordentliches Set: Ein von Jon Rafman geschaffener digitaler Vortex diente als perfekter Hintergrund für die jüngste Balenciaga-Show von Kreativdirektor Demna Gvasalia.
 
Die 400 Gäste betraten eine rechteckige Röhre, die auf 2000 m² mit gekrümmten LED-Bildschirmen ausgekleidet war, in der beeindruckende Bilder von Regentropfen auf Fenstergläsern gezeigt wurden, vulkanische Moraste, aufgewühlte Wogen, Feuerbälle und schmelzende Zelluloidstreifen. Die Kollektion entsprach dem vom Pariser Modehaus "Neo-Tailering" genannten Konzept. Perfekt geschnittene Nadelstreifenkleider in glattem Leder, graublauer Wolle und tiefblauem Funktionsvelours, an der Taille wie eine Schachfigur zusammengezurrt und mit flachen, rechtwinkligen Schultern abgerundet. Demna Gvasalias bemerkenswerte Formen passten hervorragend zum röhrenförmigen Set und boten ein denkwürdiges Mode-Highlight.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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