Measuring Fashion Report: Eine Studie will Fakten schaffen

8 % der weltweiten Treibhausgasemissionen soll auf die Bekleidungs- und Schuhindustrie zurückzuführen sein, womit sie gleichauf mit der gesamten EU läge. Was bedeutet diese Zahl eigentlich?

6,7 % sollen dabei allein auf das Konto der Mode gehen. Wenn die globale Bekleidungsindustrie ihre aktuellen Praktiken beibehielte, soll sich diese Zahl zudem innerhalb der nächsten 15 Jahre um 49 % Prozent erhöhen. 

Dies ist eines der Ergebnisse der Measuring Fashion Studie, die von der Schweizer Agentur Quantis gemeinsam mit der US-amerikanischen Stiftung ClimateWorks Foundation durchgeführt und vergangene Woche veröffentlich wurde. Dabei wurden sieben Etappen der textilen Wertschöpfungskette, von der Garnproduktion bis zur Altkleidung, unter die Lupe genommen sowie fünf Umweltindikatoren ausgemacht: Klimawandel, Rohstoff- und Wasserverbrauch, der allgemeine Naturhaushalt sowie die menschliche Gesundheit. Besonders schlagen bei der Bekeidung laut Studie das Spinnen (28 %) sowie das Färben und Ausrüsten (36 %) zu Buche.

Was Mode mit dem Klima macht - Quantis

Neu sind diese Erkenntnisse nicht und werden schon seit Jahren von zahlreichen Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen als Appell an die globale Bekleidungsindustrie veröffentlicht. Zahlreiche Standards und Siegel bieten Regulierungen dieser massiven negativen Auswirkungen an, wie etwa der Oeko-Tex-Standard, der Global Organic Textile Standard, der Fair Trade Standard und viele mehr. Diese Reglementierungen sind allerdings häufig ebenso komplex wie die Textilproduktion selbst. Die bloße Varianz führt zumindest bei Verbrauchern, oft aber schon bei Händlern weniger zu einer klaren Direktive als zu Verwirrung. Es fehlt quasi eine Standardisierung der Standards.
 
Insofern ist das eigentlich Interessante an dieser Studie ihre Grundlage. Als "erste wissenschaftlich motivierte Studie" greift sie auf die World Apparel and Footwear Life Cycle Database (WALDB) zurück, die von Unternehmen der Textilbranche, wie etwa Hugo Boss, LVMH und Lenzing, von Initiativen und Agenturen, wie dem BSD und der Sustainable Apparel Coalition, und von aktuellen Studien gespeist wird. Sie umfasst Zahlen und Informationen über die Lieferketten von etwa Wolle, Baumwolle und Leder als auch von Bekleidung wie Hemden, Pullover, Hosen und Schuhe. Das Ergebnis soll eine Art Benchmark-System sein, nach dem Unternehmen ihre eigenen Zahlen in einen Vergleich stellen können und das kompatibel mit üblichen LCA-Tools. Somit ist die Studie die Antwort auf einen erkennbaren Trend, nach dem Unternehmen ihre Umwelt- und Sozialbemühungen auf Basis von Fakten formulieren möchten.

Erst vergangenes Jahr haben zahlreiche Modemarken, wie etwa Levi’s, Gap und Nike Treibhausgasreduktions-Ziele veröffentlicht, nach denen sie messbare Aktionen garantieren, um nach Faktenlage die Klimaerwärmung um zwei Grad zu verhindern. Dafür sind sie der Science Based Targets initiative (SBTi) beigetreten, eine Initiative der CDP, dem World Resources Institute und dem World Wide Fund for Nature. Puma und Asics gehören der Initiative übrigens schon seit 2015 an, Kering kam 2016 dazu. Das neueste Mitglied aus der Mode ist seit vergangenen Monat die spanische Modemarke Skunkfunk.
 
Die Measuring Fashion Studie ist schlussendlich auf drei Hebel für Maßnahmen gekommen: Effizienssteigerung bei gleichzeitigem Umstieg auf erneuerbare Energien, ein Umdenken durch Digitalisierung und neue Konsumkonzepte sowie intelligentes Design. Einen weiteren Hebel macht die Studie wortlos deutlich, nämlich die Macht der Fakten und das Potenzial, das entsteht, wenn man mit ihnen transparent umgeht.
 

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