London Fashion Week Men’s: Ein einzigartiger Abend an den Heiligen Drei Königen

Dieses kommende Wochenende in London ist gleich ein doppelter Hit am Tag der Heiligen Drei Könige. Einerseits um die Epiphanie zu feiern, andererseits ist es der Auftakt der London Fashion Week Men’s. Trotz der Pessimisten und einer Reihe von wegfallenden Labels, die im Februar die Herrenmode mit den Womenswear-Shows zusammenfassen, verspricht die Saison weiterhin stark zu werden. Tatsächlich haben die vier Tage rund 50 Laufstegshows, Präsentationen, Fashion-Mittagessen, Pop-Up-Partys, kreative Kollaborationen und Festivitäten nach Sperrstunde zu bieten.

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Wales Bonner - Herbst/Winter 2017 - Menswear - London - © PixelFormula

"Das [das Überschreiten der Sperrstunde] passiert, wenn man nach Feierabend die Möglichkeit hat, einen zu trinken. Und die Hardcore-Leute bleiben auf der Party", schmunzelte Caroline Rush, CEO des British Fashion Council, der Londons vier Mal im Jahr stattfindenden Modewochen organisiert.

Mit dem goldfarbenen deutschen Warsteiner Bier als einer der Sponsoren der Fashion Week wird die offizielle LFWM-Party in einem alten Pub am The Strand stattfinden. Am Freitag wird außerdem jeder Hipster aus der Herrenmode in die Shoreditch High Street für eine Veranstaltung kommen, die als "J.W. Anderson Workshops X Alasdair McLellan Teil 2" betitelt ist und die neueste Zusammenarbeit zwischen dem brillanten jungen nordirischen Designer und dem Fotografen McLellan, der für seine natürlich beleuchtete, faux-casual Ästhetik bekannt ist, darstellt.

Das Schlüsselelement in der britischen Szene wird immer der kantige junge Erfindergeist sein – oft von entfernten Ufern. Wie die mit Spannung erwartete neueste Kollektion von John Lawrence Sullivan, bei dem es sich bei dem Designer  – wie der Label-Name es nicht vermuten lässt – um den japanischen Ex-Profi-Boxer Arashi Yanagama handelt, dessen voluminöse Fantasy-Schneiderei hoch geschätzt wird. Im Kampf um die Avantgarde-Konfektion treten die Shows von Matthew Miller, der teilweise von Warsteiner gesponsert wird, und Wales Bonner, die ehemalige LVMH-Preisträgerin, deren schlanke, lineare Silhouetten und die Verknüpfung westlicher Schneiderkunst mit afrikanischen Motiven sie zu einem echten Star gemacht haben, gegeneinander an.

"Londons größte Stärke sind die rohen Talente. Deshalb kommen die Medien und Händler her – um Neues zu entdecken. Wir haben solch eine brillante Strömung von aufstrebenden Talenten. Diese und unsere großen Traditionsmarken", argumentierte Rush und zählte aufstrebende Stars wie Craig Green, Charles Jeffrey, Liam Hodges, Alex Mullins und Art School unter weiteren Namen auf, parallel zu historischen Modehäusern wie Kent & Curwen oder Belstaff.

Die am schnellsten wachsende britische kommerzielle Marke ist definitiv Kent & Curwen, die von den Chinesen unterstützt und von David Beckham geprägt wird. Unter der Hand des weitgereisten Designers Daniel Kearns hat sich Kent & Curwen zu einem super-angesagten Label entwickelt. An diesem Sonntag wird es die neuesten Ideen mit einem Mittagessen im West End und einer Präsentation am Abend zelebrieren. Man kann es als Heritage mit Twist bezeichnen – wo doch sämtliche Typen das Signature-Rugby-Sweatshirts mit dem 1926er-englische Rose-Wappen rauf und runter zur Schau tragen, beim Après-Ski in Val d'Isère bis hin zu den After-Partys im Meatpacking District.

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Matthew Miller - Herbst/Winter 2017 - Menswear - London - © PixelFormula

London hat in dieser Saison weniger nicht-britische Stars angezogen, wird aber dennoch Romeo Hunte willkommen heißen, das aufstrebende New Yorker Talent. Er ist für die Ausstattung von Zendaya und Beyoncé bekannt. Der Designer plant ein Londoner Pop-up-Event im Fashion-Forward-Concept-Store Wolf & Badger in Notting Hill. Vor allem aber kehrt Vivienne Westwood nach London zurück, allerdings nur mit einer digitalen Präsentation.

Die Modewelt liebt eine gute Zusammenarbeit. Und der Meister der Kollaborationen ist kein geringerer als Henry Holland, der ein neues Projekt ins Leben gerufen hat: Ben Sherman X Henry Holland, eine Capsule-Kollektion mit einem 29-teiligen Sortiment an Polo-Shirts, Jacken, Jeans und – natürlich – Hemden mit Button-Down-Kragen. "Es ist so eine kultige britische Marke mit einer solch reichen Geschichte der Musik- und Straßenkultur", sagte Holland, der sich für die Inspiration in die Northern Soul-Musik der 1970er zurückversetzte.

Ein kultureller Austausch von amerikanischer Musik und den Tanzschritten aus Nordengland ist beim Feiern inklusive. Dazu steht im Gegensatz der Brexit, der die Londoner Mode weiterhin überschattet und wie Umfragen vor dem Referendum zeigten, 95 % gegen den Austritt aus Europa waren.

"Wir waren sehr gegen den Brexit, weil wir uns kreativ mit Europa verbunden fühlen. Britische und europäische Talente arbeiten hier und auf dem Kontinent zusammen, von CEOs über Zuschneider bis hin zu Designern. Wenn wir mit dem Brexit fortfahren, was leider so zu sein scheint, dann wollen wir sicher sein, dass britische Talente immer noch ins Ausland reisen und dort arbeiten können und umgekehrt. Dass wir reibungslose Grenzen haben – ohne irgendwelche Zölle", argumentierte Rush.

Sie drückt damit eine allgemeine Londoner Fashionista-Sichtweise aus, mit der Vorliebe in Europa eingesperrt zu sein – und nicht ausgesperrt!

Übersetzt von Elisa Gerlach

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