LVMH Award: Londons Kreativität im Rampenlicht

Wer wird der Nachfolger der französischen Marine Serre? Der Gewinner des LVMH Awards 2018 wird am Mittwoch, dem 6. Juni, von einer Jury bekannt gegeben, die aus den großen Persönlichkeiten der französischen Luxusgruppe besteht, darunter Karl Lagerfeld, Marc Jacobs und Clare Waight Keller. Die für das Finale ausgewählten neun Designer stammen aus allen Ecken der Welt und besitzen gänzlich atypische Profile. Zur Aussicht steht ein Preisgeld von 300.000 Euro und die Betreuung durch den Luxusriesen während eines Jahres.

In drei Parts enthüllt FashionNetwork.com die Informationen über die Kandidaten, beginnend mit den in London ansässigen Designern, die dieses Jahr zahlreich bei dem Wettbewerb vertreten sind: Samuel Ross, Charles Jeffrey und Rok Hwang. Zu diesem Trio gesellt sich das Duo der französischen und vietnamesisch-amerikanischen Designer Léa Dickely und Hung La, die ebenfalls in London ihr Projekt Kwaidan Editions ins Leben gerufen haben. Ihre Präsentation ist Teil unseres zweiten Parts, der den Tandems gewidmet ist und morgen erscheinen wird.

Samuel Ross und sein Label A-Cold-Wall - François Goize

Samuel Ross und seine Marke A-Cold-Wall passen in keine Schublade. Er ist Absolvent in Grafikdesign und Illustration der De Montfort University in Leicester, einer Nachbarstadt von Birmingham. Der Designer, Stylist und Musiker startete eine erste Streetwear-Marke namens 2wnt4, bevor er sich durch Virgil Abloh für die Kreativ-Agentur Donda von Kanye West einspannen ließ. Er begleitete den zukünftigen Designer der Marke Off-White über drei Jahre, arbeitete an der Kreation von Concept-Stores, Szenografien und an künstlerischen Filmen für die Mode- und Musikindustrie. Im Jahr 2015 erfolgte ein Kurswechsel mit der Einführung der eigenen Marke A-Cold-Wall.

In Anlehnung an die Stadtlandschaften, in denen er aufgewachsen ist, zelebriert A-Cold-Wall Londons Straßenkultur, die vom britischen Mittelstand und der Arbeiterklasse, deren Umgebung und Kleidungsgewohnheiten inspiriert ist: Ein Spiegelbild der sozialen Landschaft, interpretiert in einer Mode für Männer und Frauen, die den Haute Couture-Geist mit Streetwear vermischt.

Die A-Cold-Wall Garderobe, in der technische Materialien verarbeitet, Muster und minimalistische Farben und bevorzugt symmetrische Schnitte ausgewählt werden oder auch mit Transparenz gespielt wird, verführte schnell rund zwanzig Stores weltweit, von Barneys in New York bis H.Lorenzo in Los Angeles, über Restir in Tokyo, Selfridges in London oder Eclaireur in Paris.

Samuel Ross, ein facettenreicher Designer, organisiert gerne parallel zu seinen Fashionshows auch Performances oder künstlerische Installationen und Kollaborationen, wie zum Beispiel die Produkt-Design- oder Möbelkollektionen für Concrete Objects, die Markteinführung des "Air Force One A-Cold-Wall" Sneaker-Modells Ende 2017 für Nike oder die Inszenierung von Verkaufsflächen für Barneys, Off-White und Harvey Nichols.

Samuel Ross präsentiert während der Men's Fashion Week in London, wo er seit Januar 2017 mit seinem Kreativstudio sitzt.

Charles Jeffrey und sein Label Loverboy - François Goize

Charles Jeffrey kommt ursprünglich aus Glasgow, Schottland. Er kam im Alter von 18 Jahren nach London, wo er sich der Central Saint Martins School anschloss. Inspiriert von der "Club Kids"-Kultur und der kochenden Atmosphäre der Clubs in East London, umgibt er sich mit einem Kollektiv von Kreativen, Musikern, Künstlern und Drag-Queens, mit denen er die Nächte durchmacht.

Nach dreimonatiger Ausbildung in den Christian Dior Studios in Paris ging er nach London zurück, wo er seine ersten "Loverboy Club"-Soirées im Vogue Fabrics organisiert, einem Schwulenclub im Dalston-Viertel. Die Party-Abende werden zu einer Marke, Loverboy, und kreieren einen Stil, der von der Clubkultur lebt. Lulu Kennedy, der Gründer von Fashion East (eine Plattform zur Unterstützung junger Modetalente und auch Gründer von London Top Design Talent), wird auf Charles Jeffrey aufmerksam, sodass dessen Kollektionen innerhalb des Projektes MAN auf Initiative von Topman und Fashion East drei Saisons lang präsentiert werden.

Charles Jeffrey enthüllt für seine erste eigene Kollektion für Frauen und Männer (Frühjahr/Sommer 2018) ein fantastisches Universum von Kreaturen, die in einer fröhlichen Atmosphäre präsentiert sind. Die Looks umfassen ultra-grafische Stücke mit Kollagen-Prints – mit Verweisen auf Matisse, William Hogarth oder seine eigene schottische Herkunft – und Schnittentwürfe mit Punk-Inspirationen und enthemmten Volumen.

Charles Jeffrey, der Ende 2017 für den Emerging Talent Award bei den British Fashion Awards ausgezeichnet wurde, hatte bereits mehrere Kollaborationen, darunter eine Capsule-Kollektion für Frauen für Matchesfashion oder die Organisation der Ausstellung "The Come Up" in der NOW Gallery in London Ende 2017. Die Ausstellung fand vor seiner Herbst-/Winter-Modenschau 2018 statt und war mit Glas- und PVC-Skulpturen, die er neben einigen seiner Modekreationen aus seinen Skizzenbüchern entlehnt hatte, ein echter Abstecher in die verrückte, sensible Welt des schottischen Designers.

Seine erste Kollektion hat bereits weltweit einige Stores überzeugt, darunter Dover Street Market in London, New York und Tokyo, der Joyce Store in Hongkong und Boon the Shop in Seoul.

Rok Hwang und sein Label Rokh - François Goize

Der dritte Vertreter des Londoner Kontingents, Rok Hwang, wurde in Südkorea geboren und wuchs in den Vereinigten Staaten in Texas, Austin auf. Mit 18 verlässt er sein Zuhause und schreibt sich in der Central Saint Martins School in London ein, wo er Design für Damenmode studiert. Nach drei Jahren als Designer bei Céline, Phoebe Philo, Abstechern bei Louis Vuitton und Chloé hat er den Wunsch, alleine durchzustarten und kreiert sein Label Rokh.

Frauenenmode mit einem zeitlosen und unstrukturierten Esprit, mit einem Mix aus Nostalgie und Modernität und wo die Stücke gefertigt werden, um die Saisons zu überdauern! Die Kollektionen interpretiert Klassiker neu und setzt radikale Silhouetten mit neutralen Farbtönen in Szene. Die Idee einer rohen und tragbaren weiblichen Mode.

Die Marke erregte schnell die Aufmerksamkeit von rund hundert Verkaufsstellen weltweit, darunter Lane Crawford in Hongkong, L'Eclaireur in Paris oder KM20 in Moskau.

Das in London ansässige Team von Rokh bevorzugt Präsentationen statt Fashionshows und ist der Hoffnung, bald in den Kalender der Pariser Schauen gelistet zu werden.

Übersetzt von Elisa Gerlach

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