Jason Wu verlässt Hugo Boss

Jason Wu zeigt seine letzte Kollektion für Hugo Boss am Dienstagabend  – der Designer verlässt nach 5 Jahren als Artistic Director den deutschen Bekleidungsriesen.

Photo: JasonWu.com

Dieser Schritt war allgemein erwartet worden, da die Branche von Gerüchten überflutet worden war, dass die beiden Seiten nicht mehr in die gleiche Richtung blickten. Die deutsche Marke hat weder einen Nachfolger benannt noch angegeben, wann ein Nachfolger angekündigt werden könnte.
 
Wu wurde im Juni 2013 von Claus-Dietrich Lahrs, dem damaligen CEO von Hugo Boss, als künstlerischer Leiter für Womenswear eingestellt, doch nachdem die Führungskraft im Mai 2016 von der Firma entlassen wurde, war das Verhältnis angespannt.
 
Bereits im November 2016 verließ Boss plötzlich den NYC-Laufsteg, beendete einige Nebenlinien und konzentrierte sich wieder auf sein Kerngeschäft, die Herrenbekleidung. Noch überraschender, sagte Mark Langer, der neue CEO des Unternehmens, den Investoren, dass das Unternehmen "den Luxusmarkt verlassen und zu seinen Wurzeln des Verkaufs von hochwertiger Herrenbekleidung zurückkehren wolle". Womenswear macht etwa ein Zehntel des Umsatzes von Hugo Boss aus.
 
"Es ist allgemein bekannt, dass es vor etwa anderthalb Jahren bei Hugo Boss einen Führungswechsel gab", sagte Wu gegenüber Women's Wear Daily.
 
"Ich bin geblieben, um der Marke beim Übergang in die nächste Phase zu helfen. Hugo Boss geht den nächsten Schritt, weiter zur nächsten Generation", fügte der 35-jährige, in Taiwan geborene kanadische Designer hinzu.

Niemand könnte Wus Bemühungen für Boss in Frage stellen. Er pendelte jeden Monat von New York zu Boss' historischem Hauptsitz in Metzingen, der abgelegenen süddeutschen Stadt mit nur 22.000 Einwohnern. Er inszenierte zudem eindrucksvolle Shows in den markanten Wolkenkratzern, ließ Bauhaus-Elemente in frühen Shows einfließen, und erntete viel positive Kritik. Außerdem hat er das Image der Marke clever überarbeitet und Top-Modefotografen wie Inez & Vinoodh angeheuert, um Hipster-Models wie Edie Campbell und Anna Ewers zu fotografieren. Vor allem hat er die Marke für den Bereich Damenmode relevant gemacht.
 
Da Langer jedoch scheinbar fest entschlossen war, den Großteil der Strategie von Lars umzukehren, schien es immer eine Frage der Zeit zu sein, bis sich Wu von Deutschlands größter Modemarke trennen würde. Langer hat Boss fast wieder auf Wachstumskurs gebracht und verzeichnete im dritten Quartal 2017 einen Umsatzanstieg von 3 % auf 711 Millionen Euro. Nicht gerade Gucci-mäßig.
 
So wird Wu an diesem Dienstagabend seine letzte Modenschau am Veranstaltungsort Cedar Lake in Chelsea, New York, präsentieren. Und ein Fünf-Jahres-Job ist in einer Zeit großer Instabilität in dieser Branche mit ständig wechselnden Designern nicht unbedingt eine schlechte Sache.

Übersetzt von Felicia Enderes

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