Glanzvoller Abschied für Carolina Herrera

Am Montagabend lud Carolina Herrera zu ihrer letzten Runway-Show. Für das Finale sandte sie 15 Miniatur-Ausgaben ihrer selbst auf den Laufsteg: Elegante Figuren in den für das Label typischen weißen Herrenhemden, kombiniert mit bodenlangen Ballkleid-Taftröcken und riesigen Ledergürteln mit markanten Gürtelschnallen.
 

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Carolina Herrera - Fall-Winter2018 - Womenswear - New York - © PixelFormula


Die im Museum of Modern Art organisierte Show war eine emotionale Angelegenheit. Die Designerin aus Venezuela verneigte ein letztes Mal, umringt von ihrem kreativen Team, und zahlreiche Handwerker in weißen Labormänteln standen mit Tränen in den Augen da.

"Was für eine Erleichterung – die Kollektion fertiggestellt zu haben!", rief Herrera aus, während sie von einer Schar Gratulanten mit Lob überhäuft wurde. "Ich werde im Unternehmen weiterhin sehr aktiv sein und alle Hände voll zu tun haben", lachte die 79-Jährige. In ihrer langen Karriere kleidete die Designerin mehrere amerikanische First Ladies ein: Von Jacqueline Kennedy über Laura Bush und Michelle Obama bis hin zu Melania Trump.

Wie bereits berichtet wird der Designer Wes Gorden überraschend die Nachfolge von Carolina Herrera übernehmen. Sein Runway-Debüt ist für September geplant.

Mit Calvin Klein, Katie Holmes und Olivia Palermo in der ersten Reihe startete Carolina Herrera die Show auf einer düsteren Note mit strengen schwarz-weißen Kombinationen aus puren Georgette-Blusen und Gazeröcken. Dann wählte sie ein ganz anderes Register und zeigte ihre klassischen Urban-Looks – Kleider mit Lamé-Tierprint und Austernfedern, bemerkenswerte Nerzmodelle mit blumigen Intarsienmustern und seidenen Taftkleidern mit feinsten Stickereien. Eine eindrucksvolle Erinnerung daran, dass kein anderes Modehaus in New York eine so hervorragende Couture-Verarbeitung bieten kann, wie Carolina Herrera. Mit dem großen Finale war der Designerin eine Standing Ovation sicher.

"Unglaublich! Wie könnte man diesen 20 Carolina Herreras auch widerstehen?", schwärmte Calvin Klein, nachdem er seine Designer-Kollegin gebührend umarmt hatte.

Mit dieser Show fiel der Laufsteg-Vorhang über eine lange und erfolgreiche Karriere. Carolina Herrera startete in den 80er Jahren im New Yorker Metropolitan Club und wurde von der Kritik umgehend mit Beifall bedacht. Die Marke ist nicht zuletzt mit der Produktion von Parfüms zu einem Milliarden-Unternehmen herangewachsen. Mehrheitsaktionär ist die katalanische Puig-Familie, die auch Paco Rabanne, Nina Ricci und Jean Paul Gaultier kontrolliert.

"Das war ein wunderschönes Finale von Carolina und wir sind mit dem Übergang sehr zufrieden. Carolina wird immer eine legendäre Designerin bleiben", so CEO Marco Puig.

Doch diese Stabsübergabe birgt auch Risiken. Betrachtet man die Rücktritte der Gründer oder entscheidenden Designer bei den wichtigsten amerikanischen Modehäusern, liegt die Feststellung nahe, dass nur wenige Übergänge geglückt sind. Perry Ellis ist so gut wie verschwunden, wie auch Bill Blass und Geoffrey Beene. Oscar de la Renta ist nicht gerade in Höchstform, nur Calvin Klein scheint nach zehn Jahren langsamen Wachstums unter der Leitung von Raf Simons wieder aufzublühen. "Hoffentlich fahren wir besser als der Durchschnitt", kommentiert Puig.

Um die Stimmung an der Show am besten auf den Punkt zu bringen, zitieren wir hier Herreras Ehemann: "Wie ich mich fühle? Erleichtert! Ich dachte, sie würde drei Monate lang Mode machen. Aber dann blieb sie der Branche über 30 Jahre treu!", gluckste Reinaldo Herrera.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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