Fosun International erhält Zuschlag für Lanvin

Die chinesische Investmentgesellschaft Fosun International überbot überraschend den katarischen Mitbieter Mayhoola im Übernahmekampf um das französische Modehaus Lanvin. Zwei Quellen im Umfeld der betroffenen Unternehmen berichteten, Fosun International habe sich verpflichtet, über EUR 100 Millionen in das Modehaus zu investieren.
 
Lanvin Frühjahr/Sommer 2018 - Pixelformula

Die Mitarbeitenden von Lanvin sollen im Verlauf der Woche über die Entscheidung informiert werden. Das spät am Freitag errungene Übernahmeabkommen wurde abgeschlossen, bevor der ältesten Modemarke Frankreichs die Mittel ausgingen. Wie mehrere Finanz- und Branchenquellen berichteten, verfügte Lanvin am 15. Dezember 2017 lediglich über etwas mehr als EUR 15 Millionen, um alle bis Ende Februar/Anfang März anfallenden Personalkosten und Lieferanten zu decken.

Mit dem neuen Abkommen verpflichtet sich Fosun International laut einer Quelle, über EUR 100 Millionen in Lanvin zu investieren, wobei das Unternehmen neue Anteile an die Gesellschafter ausgibt. Die chinesische Medienmagnatin Shaw-Lan Wang mit Sitz in Taiwan gibt ihren beherrschenden Einfluss ab, bleibt aber Minderheitsaktionärin an der Seite des Schweizer Unternehmers Ralph Bartel. Dieser investiert ebenfalls einen neuen Betrag, um weiterhin Gesellschafter zu bleiben. Unklar ist, wie viel dieser neu investierten Summen an Frau Wang gehen.

Für Mayhoola ist die Entscheidung ein herber Schlag, das Investmentunternehmen bemüht sich seit über zehn Jahren aktiv um das Modehaus. Nach erfolgreichen Investitionen in die Konkurrenten Valentino und Balmain wäre die Übernahme von Lanvin eine wertvolle Ergänzung des Portfolios gewesen.

"Die Entscheidung kam überraschend", erklärte eine Quelle. "Die Angelegenheit ist sehr kompliziert, und Fosun wird dabei von vielen Seiten aus nächster Nähe überwacht".

Der Umsatz von Lanvin ist seit ein paar Jahren rückläufig, die Marke suchte vergeblich nach einer überzeugenden kreativen Stimme. Nach der Trennung von Star-Designer Alber Elbaz im Jahr 2015 bemühte sich Lanvin um hochkarätige Nachfolger.

Der Konzern Fosun International wird vom Milliardär Guo Guangchang aus Shanghai kontrolliert. Sein Portfolio umfasst Versicherungen, Handelsunternehmen und weitere Geschäftszweige wie der französische Reiseveranstalter Club Med und die amerikanische Strickwarenmarke St.John.

"Fosun gewann das Rennen um Lanvin, was im Verlauf der Woche öffentlich angekündigt werden dürfte", so eine Quelle. Für einen Kommentar war am Sonntag weder bei Lanvin, noch bei Fosun International oder Mayhoola jemand zu erreichen.

Um Geld zu sparen, sagte Lanvin die am 28. Februar geplante Show an der Paris Fashion Week ab und ersetzte sie mit einer einfachen Präsentation, wie der französische Modeverband berichtete.
Kurz vor Weihnachten verklagte Alber Elbaz den Mutterkonzern von Lanvin, Jeanne Lanvin SA, da seine Kündigung vor Vertragsablauf eintrat. In einer außergerichtlichen Einigung willigte der Konzern ein, dem Designer über EUR 10 Millionen Schadenersatz zu bezahlen. Dies dürfte die finanzielle Situation von Lanvin weiter belasten.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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